Engineering-Tagung 2010
Die IG Metall fordert eine aktive Industriepolitik, einen nachhaltigen, sozial tragfähigen und ökologischen Strukturwandel. Arbeitnehmer, Betriebsräte und Gewerkschaften als wichtige Akteure in diesen Prozessen benötigten deshalb mehr Mitbestimmung. Das betonten Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräte vor rund 300 Ingenieuren auf der zweiten Engineering-Tagung von IG Metall und Hans-Böckler-Stiftung bei Mercedes-Benz in Sindelfingen.
Ein Highlight der zweiten Engineering-Tagung von Hans-Böckler-Stiftung und IG Metall: Der Vortrag von Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker zum Thema Grüne Technologien und Ressourcenknappheit. Seine Vorschlag für Klima und Gerechtigkeit: Weltweit gleiche Pro-Kopf-Emissionsrechte. Der Norden müsste dann Emissionsrechte im Süden einkaufen. In Indien und anderen Schwellen- und Entwicklungsländern würden dadurch Energieeffizienz und erneuerbare Energien über Nacht profitabel, so Weizsäcker. Der Preisträger des Deutschen Umweltpreises und Autor des Buches „Faktor Fünf“ sprach sich außerdem für dafür aus, bei der Energie 30 Prozent CO2, beim Wohlstand 65% Energie und fünf Prozent Wohlstand einzusparen, um eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 80-90 Prozent zu erzielen (Faktor fünf).
Helga Schwitzer, Vorstandsmitglied der IG Metall, machte deutlich, dass sich die IG Metall immer in dem Dreieck Umweltschutz, Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen bewegt. Schwitzer: „Wie nachhaltig ist es, den ökologischen Fußabdruck einer Outdoor-Jacke nur am CO2-Ausstoß für Produktion und Transport zu messen, wenn wir gleichzeitig wissen, dass diese Jacken in Asien unter menschenunwürdigen Bedingungen gefertigt werden?“ Schwitzer kritisierte auch die Arbeitsbedingungen in der hiesigen Solar- und Windkraftindustrie. Die Einkommen lägen weit unter dem Niveau des Flächentarifvertrags, die Gründung von Betriebsräten, sei vielfach keine Selbstverständlichkeit, sondern werde zum Teil heftig bekämpft. „Das hat mit Nachhaltigkeit und Innovation nichts zu tun“, so Schwitzer. „Was wir brauchen ist: Saubere Energie und gute Arbeit.“ Auch in Forschung und Entwicklung gibt es in Sachen gute Arbeitsbedingungen zum Teil noch deutlichen Verbesserungsbedarf. Schwitzer wies darauf hin, dass viele Ingenieurinnen und Ingenieure an der Belastungsgrenze arbeiteten, außerdem kritisierte sie den steigenden Einsatz von Leiharbeitnehmer/innen und Werkverträgen in der Entwicklung.
Die IG Metall sei zwar Teil der Umweltbewegung, aber keine Umweltorganisation. Trotzdem beziehe die IG Metall Position: Zum Beispiel mit einer gemeinsamen Erklärung „Energieeffizienz statt Laufzeitverlängerung“, die sie zusammen mit Umweltschutzverbänden und der IG BAU verfasst habe. Und viele IG Metallerinnen und Metaller engagierten sich gegen Atomkraft und gegen die Endlager Schacht Konrad und Gorleben, sagte Schwitzer.
Daimler-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Erich Klemm sagte in seinem Grußwort an die Teilnehmerinnen der Tagung, die deutschen Autobauer und Zulieferer müssten sich bei der Elektromobilität eine Schlüsselposition erkämpfen. „Bereits zum jetzigen Zeitpunkt sind eine Fülle von Entscheidungen im Zusammenhang mit der Elektrifizierung des Antriebsstrangs zu treffen“, sagte Klemm. Zwar verfolgten Hersteller und Zulieferer auch jeweils eigene Interessen. „Insgesamt aber sollten wir als Endhersteller und Zuliefererunternehmen in Deutschland ein waches Auge darauf haben, dass wir bei diesen Entscheidungen nicht unter die Räder kommen.“
"Der industrielle Sektor ist nach wie vor die ökonomische Basis der deutschen Gesellschaft", sagte der IG Metall Bezirksleiter, Jörg Hofmann. 60 Prozent der Beschäftigten, 80 Prozent der erwirtschafteten Produktionswerte und 90 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsausgaben stünden für diesen Sektor. Es bestehe "unbedingter Bedarf an einer politisch demokratischen Steuerung der Veränderungsprozesse." Die Entwicklung guter, umweltschonender Produkte und Verfahren sei Quell und Motivation der Arbeitszufriedenheit. "Beteiligung und Mitbestimmung sind der Schlüssel zur Wahrung der Interessen von Beschäftigten in diesem Strukturwandel", so Hofmann.
Hofmann betonte die Bedeutung von Entwicklern und Ingenieuren in diesem Prozess. Sie seien die Träger von Innovation und Veränderung: „Ihr sitzt an zwei Schlüsselstellungen für die betriebliche Umsetzung einer nachhaltigen Industriepolitik: die Entwicklung ökologischer Produkte und Prozesse und deren sozialer Umsetzung. Eine Umsetzung die Beschäftigungsinteressen und gute Arbeitsbedingungen im Auge behält.“ Hofmann forderte die Teilnehmer/innen der Tagung dazu auf, ihre Ideen und ihr Know-how einzubringen.
Reden und Vorträge
Präsentationen aus den Workshops
1. Arbeitszeitgestaltung und Beschäftigungssicherung
2. Innovation, Tarifpolitik und Mitbestimmung
3. Global Engineering
4. Greentech und Weiterbildung
5. Technische Expert/innen zwischen Greentech und Greenwash
6. Lean Office und Ganzheitliche Produktionssystem im Büro
Zusammenfassung der Workshop-Ergebnisse
Zusätzliche Informationen
28. September 2010